Arbeitskreis bekennender Christen

Presseinformation vom 20.11.2013 (Buß- und Bettag)

Arbeitskreis Bekennender Christen in Bayern e.V. (ABC)

Sprecher: Hans-Joachim Vieweger

 

Presseinformation vom 20.11.2013 (Buß- und Bettag)

Streitgespräch zum EKD-Familienpapier zeigt:

Debatte um evangelisches Schriftverständnis steht an

Nürnberg – Der Diskussion um das umstrittene Familienpapier der EKD sollte eine theologische Debatte um das Verständnis der Heiligen Schrift folgen. Zudem müsse die Bedeutung institutioneller Ordnungen wie der Ehe aus evangelischer Sicht neu bedacht werden. Das ist das Ergebnis eines Streitgesprächs des Arbeitskreises Bekennender Christen in Bayern (ABC), an dem die EKD-Oberkirchenrätin Cornelia Coenen-Marx (Hannover) und der Theologieprofessor Ulrich Eibach (Bonn) teilnahmen und das von Helmut Frank, dem Chefredakteur des Sonntagsblatts (München) moderiert wurde.

 

Eibach: „Peinlicher Gebrauch der Heiligen Schrift“

Eibach bekräftigte die Kritik an den theologischen Positionen des EKD-Papiers: Die federführende EKD-Kommission habe sich nicht an der Bibel als Grundlage für evangelische Theologie orientiert, sondern Aussagen, die sie der Gender-Forschung entnommen habe, mit einem biblischen Mäntelchen bedeckt; das sei ein geradezu „peinlicher Gebrauch der Heiligen Schrift“. Zudem warf Eibach der Kommission einen Missbrauch der reformatorischen Rechtfertigungslehre vor: Die Tatsache, dass Gott den Menschen nicht auf sein Tun festlege, bedeute nicht, dass die Taten des Menschen belanglos seien. Von daher sei es falsch, unterschiedliche Wertentscheidungen mit Blick auf das familiäre Zusammenleben ohne Unterschied als gleich gut zu bezeichnen.

 

Coenen-Marx: „Auch von Sünde der Gesellschaft reden“

Demgegenüber betonte Oberkirchenrätin Coenen-Marx, die als Geschäftsführerin der EKD-Kommission fungiert hatte, dass die heutigen Lebensumstände so unterschiedlich seien, dass eine pauschale Beurteilung nicht möglich sei. Im Übrigen habe die Kommission weniger die Individualmoral in den Blick genommen, als vielmehr die Familienpolitik. Wenn man von Schuld und Sünde reden wolle, dann dürfe dies nicht nur mit Blick auf den Einzelnen geschehen: Es sei offenbar ein Problem der Gesellschaft, wenn es Menschen beispielsweise schwer gemacht werde, ihren an sich vorhandenen Kinderwunsch zu verwirklichen. Daher habe die Kommission politische Forderungen erhoben.

 

Der ABC-Vorsitzende, Pfarrer Till Roth (Redwitz a.d. Rodach), dankte den Beteiligten für die Bereitschaft, sich auf den theologischen Disput einzulassen. Nach seiner Ansicht sollte auch der Frage von Professor Eibach nachgegangen werden, wie sich die Kirche in der Gesellschaft positioniere: „Offensichtlich sieht die EKD sich verändernde Moralvorstellungen und Rechtsauffassungen, wie etwa die des Bundesverfassungsgerichts, viel zu unkritisch.“